Long-COVID und Zyklusstörungen
Schon länger wird ein Zusammenhang zwischen Zyklusstörungen und COVID-Infektion bzw. Long-COVID vermutet und diskutiert. Eine aktuelle Studie beschäftigte sich mit dieser Fragestellung (Maybin et al. The potential bidirectional relationship between long COVID and menstruation. Nat. Commun. 2025; 16: 8187).
Sie untersuchte die potenziell bidirektionale Beziehung zwischen Long-COVID und menstruellen Veränderungen unter Verwendung eines großen UK-Kohortendatensatzes sowie ergänzender endokrinologischer und endometrialer Analysen. Long-COVID-Betroffene (n = 1.048) berichteten im Vergleich zu nie infizierten Frauen (n = 9.423) signifikant häufiger über abnorme uterine Blutungen (AUB), einschließlich verstärkter Menstruationsblutung, verlängerter Blutungsphasen und Zwischenblutungen. Nach COVID-19 vollständig genesene Frauen (n = 1.716) zeigten hingegen nur minimale menstruelle Veränderungen, was die spezifische Assoziation mit Long COVID unterstreicht.
Long-COVID-Symptome zeigten ein zyklusabhängiges Muster, wobei die Symptome insbesondere in der perimenstruellen und proliferativen Phase zunahmen. Hormonanalysen fanden bei Long-COVID-Patientinnen erhöhte Serumspiegel von 5α-Dihydrotestosteron (DHT) sowie eine reduzierte Expression endometrialer Androgenrezeptoren. Andere ovarielle Hormone zeigten keine signifikanten Unterschiede. Ultraschallbasierte Analysen und Hormonprofile ergaben keine Hinweise auf eine ovarielle Dysfunktion.
Endometriale Untersuchungen beschrieben bei Long-COVID-Betroffenen deutliche Immunzellaggregate sowie Veränderungen in Zytokinprofilen, die auf eine persistierende endometriale Entzündungsaktivität hinwiesen. Diese immunologischen Veränderungen könnten die Blutungsstörungen erklären. Die Befunde stützen somit ein Modell, in dem periphere und endometriale Immun- und Hormoninteraktionen über Störungen der endometrialen Rezeptivität und Blutungsregulation sowohl menstruelle Veränderungen als auch die zyklusabhängige Verstärkung von Long-COVID-Symptomen mitverursachen.
Die Autoren schließen, dass Long-COVID mit AUB assoziiert ist und hormonelle sowie immunologische Veränderungen im endometrialen Kompartiment eine zentrale Rolle spielen. Die Ergebnisse eröffnen potenzielle Ansatzpunkte für therapeutische Interventionen, die sowohl auf die endokrine Regulation als auch auf die Modulation chronischer Entzündung abzielen könnten.
Prof. Dr. med. Christoph Dorn