Neues aus der Wissenschaft

Verschiebung des reproduktiven Fensters durch die assistierte Reproduktion

 

 

Der anhaltende Trend zur späteren Familiengründung stellt moderne Gesellschaften vor erhebliche medizinische und demografische Herausforderungen. Parallel dazu haben sich assistierte Reproduktionstechnologien (ART) in den letzten Jahrzehnten deutlich weiterentwickelt. Eine aktuelle Analyse quantifiziert, welchen Beitrag die ART – unter Einbeziehung der Eizellspende – zur nationalen Fertilitätsrate in Großbritannien leistet (Bruckamp & Lazzari. Shifting the reproductive window: The contribution of ART and egg donation to fertility rates in the UK. Popul. Stud. (Camb). 2025; Oct 27: Online ahead of print, doi: 10.1080/00324728.2025.2561595).

 

Grundlage der Studie waren nationale Registerdaten aller ART-Behandlungen in Großbritannien von 1991–2018. In diesem Zeitraum stieg die Zahl der ART-Zyklen kontinuierlich. Die Autorinnen berechneten die alters- und methodenspezifischen Fertilitätsraten und setzten diese in Beziehung zur Gesamtfertilität der Bevölkerung.
Die Ergebnisse zeigten, dass die ART inzwischen einen messbaren demografischen Effekt hat. Im Jahr 2018 entfielen etwa 3% der gesamten Fertilitätsrate in Großbritannien auf Geburten nach einer ART. In der Altersgruppe der 45- bis 50-jährigen Frauen waren 14,9% der Geburten auf eine ART zurückzuführen.

 

Die Erfolgsraten der IVF mit eigenen Eizellen sinken mit dem Alter der Frau deutlich, so dass ab etwa 45 Jahren eine erfolgreiche Schwangerschaft mit eigenen Eizellen selten ist.

Demgegenüber zeigen Behandlungen mit Spender-Eizellen vom Alter der Empfängerin weitgehend unabhängige Erfolgsraten. Ab dem etwa 43. Lebensjahr resultieren in Großbritannien die meisten ART-Geburten aus Zyklen mit Eizellspende.

 

Zusammenfassend zeigt die Studie, dass die ART einen wachsenden, aber altersabhängigen Beitrag zur Fertilität leistet. Die Eizellspende stellt den entscheidenden Faktor für Geburten im höheren reproduktiven Alter dar. In diesem Zusammenhang muss aber darauf hingewiesen werden, dass die Eizellspende in Deutschland verboten ist.

 

Prof. Dr. med. Christoph Dorn