Neues aus der Wissenschaft

Zeitlich verzögerte Diagnose einer Endometriose

 

Obwohl die Endometriose eine häufige Erkrankung darstellt (betrifft etwa 10% der Frauen im reproduktiven Alter) wird sie – auch aufgrund ihrer heterogenen Symptomatik – oft erst nach vielen Jahren diagnostiziert.

Eine Arbeitsgruppe untersuchte in einer multizentrischen Studie zwischen 2021-2023 an 11 niederländischen Kliniken das zeitliche Intervall bis zur Diagnose (De Kok et al. Diagnostic delay in endometriosis: is there any progress? Reprod. Biomed. Online 2025; Nov 10: Online ahead of print). Eingeschlossen und mit einem Fragebogen angeschrieben wurden 2289 Patientinnen mit einer bestätigten Endometriose (Ultraschall, MRT oder Operation). Die Rücklaufrate des Fragebogens betrug 36,6% (838/2289).

Die mediane diagnostische Zeit bis zur Diagnose lag bei 7 Jahren (IQR 2-15 Jahre) mit einem Minimum < 1 Jahr und einem Maximum von 42 Jahren. In der Subanalyse verursachten die Patientinnen selber eine mediane Verzögerung von 1 Jahr (IQR 0-2 Jahre), der Allgemeinmediziner/Hausarzt von 1 Jahr (IQR 0-9 Jahre) und der Gynäkologe im Median von < 1 Jahr (IQR 0-1 Jahr). Die längste diagnostische Verzögerung zeigte sich bei Patientinnen mit einer Dysmenorrhoe oder Blutungsstörungen. Signifikant kürzer war sie bei Patientinnen mit Unterbauchschmerzen, einer Infertilität oder Tumoren der Beckenwand (P < 0,001).

Die Autoren betonen die Notwendigkeit der Klärung von Ursachen für die zeitliche Verzögerung sowie die Erarbeitung und Implementierung interventioneller Strategien, mit denen die Zeit bis zur Diagnose auf < 1 Jahr gesenkt werden kann.

 

Prof. Dr. med. Frank Nawroth