Warum werde ich nicht schwanger?
- 12 Minuten
- 28.05.2025
Die folgenden Informationen können ein persönliches Beratungsgespräch nicht ersetzen. Individuelle Beratung bieten Gynäkolog*innen oder Kinderwunschzentren.
Viele Paare mit Kinderwunsch hoffen, dass sich eine Schwangerschaft auf natürlichem Weg schnell einstellt. Tatsächlich kann das selbst bei optimalen Voraussetzungen auch mehrere Monate dauern. Bei normaler Fruchtbarkeit beträgt die Chance für eine Schwangerschaft bei Frauen im Alter von 20-30 Jahren ca. 25 % pro Zyklus. Nach einem Jahr sind etwa 85 % schwanger.1
Ab dem 30. Lebensjahr sinkt die weibliche Fruchtbarkeit – in Abhängigkeit von der Eizellreserve und der Qualität der Eizellen. Ab dem 35. Lebensjahr nimmt die Fruchtbarkeit dann deutlich schneller ab, was zu einer verlängerten Zeit bis zur Empfängnis führen kann.

Wenn eine Schwangerschaft nach 12 Monaten mit regelmäßigem, ungeschütztem Geschlechtsverkehr zu optimalen Zeitpunkten nicht eingetreten ist, spricht man umgangssprachlich von Unfruchtbarkeit oder fachlich korrekt von Infertilität. Dieses Phänomen, betrifft laut WHO weltweit jede sechste Person im fortpflanzungsfähigen Alter und hat verschiedenste Ursachen.2

Schätzungen gehen davon aus, dass die Ursachen dafür, wieso eine Frau nicht schwanger wird, in ca. 30 % der Fälle bei der Frau liegen, in ca. 30 % der Fälle beim Mann und in ca. 30 % der Fälle bei beiden.3 Bei den verbleibenden etwa 10-15% der Fälle findet man mit den aktuell zur Verfügung stehenden diagnostischen Verfahren noch keine Ursache. Diese Situation nennt sich „idiopathische (ungeklärte) Infertilität“.

Es gibt eine Vielzahl an Faktoren, die zu Problemen mit der natürlichen Empfängnis führen können. Einige, wie beispielsweise Lebensstilfaktoren, können von Betroffenen direkt beeinflusst werden. Andere können von Ärztinnen und Ärzten für Frauenheilkunde, Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin gut behandelt werden.
Alter und genetische Faktoren
Die Fruchtbarkeit sinkt mit zunehmendem Alter. So haben Frauen, die jünger als 30 Jahre alt sind, eine 85-prozentige Chance, innerhalb eines Jahres schwanger zu werden. Mit einem Alter von 30 Jahren sind es nur noch 75 % und im Alter von 40 Jahren nur noch 44 %.4 Auch genetische Faktoren, wie bestimmte Chromosomenveränderungen, können eine Ursache dafür sein, warum es nicht klappt, schwanger zu werden.
Hormonelle Störungen
Störungen im Hormonhaushalt können die Eizellreifung und den Eisprung beeinträchtigen oder dazu führen, dass er ganz ausbleibt. In bestimmten Fällen beeinflussen sie zudem die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) und erschweren so die Einnistung einer befruchteten Eizelle. Das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) ist eine häufige Ursache weiblicher Fertilitätsstörungen, die meist mit einer vermehrten Produktion männlicher Hormone (Androgene) im Blut einhergeht und/oder Zeichen einer vermehrten männlichen Hormonwirkung an Haut und Haaren wie eine übermäßige Körperbehaarung (Hirsutismus), eine Akne oder Haarausfall (Alopezie) aufweist. Dies kann zu Zyklusstörungen, ausbleibenden Eisprüngen und einer gestörten Funktion der Eierstöcke führen.
Organische Ursachen
Die Frage: „Ich werde nicht schwanger, warum?“, lässt sich mitunter auch durch organische Anomalien erklären. Zu den angeborenen Fehlbildungen zählen Anomalien der Gebärmutter wie z. B. ein Uterus septus, d. h. eine Trennwand innerhalb der Gebärmutterhöhle, welche die Einnistung einer befruchteten Eizelle behindern kann. Erworbene Veränderungen sind z. B. Myome, Polypen der Gebärmutterschleimhaut sowie Endometriose. Auch chronische Entzündungen, z. B. Infektionen durch Chlamydien, können zu Verwachsungenführen und die Durchgängigkeit oder Funktion der Eileiter beeinträchtigen.
Lebensstil und Umweltfaktoren
Der Lebensstil kann einen erheblichen Einfluss auf die Fruchtbarkeit haben – bei Frauen wie bei Männern. Studien zeigen, dass sich Übergewicht und Untergewicht sowie Rauchen und Alkoholkonsum negativ auf die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft auswirken können. Bei Frauen erhöht sich das Risiko einer Fehlgeburt durch Über- oder Untergewicht um den Faktor 1,5 im Vergleich zu normalgewichtigen Frauen.
Medikamentöse Faktoren
Bestimmte Medikamente können die Fruchtbarkeit beeinträchtigen, entweder durch direkte Effekte auf Keimzellen und Hormonachsen oder durch indirekte Einflüsse auf die Regulation des Zyklus und die Sexualfunktion. Ob und wie stark ein Medikament die Fruchtbarkeit beeinflusst, hängt von der Art, der Dosis und der Dauer der Einnahme ab sowie von individuellen Faktoren. Bei bestehendem Kinderwunsch sollte eine individuelle ärztliche Beratung durch Expertinnen oder Experten erfolgen, bevor Medikamente eigenmächtig abgesetzt oder verändert werden.
Alter und genetische Faktoren
Hormonelle Störungen
Organische Ursachen
Lebensstil und Umweltfaktoren
Medikamentöse Faktoren


Die Frage: „Wieso werde ich nicht schwanger“, belastet nicht nur Frauen, sondern in der Regel auch den Partner. Schließlich können die Ursachen für die ungewollte Kinderlosigkeit auch beim Mann liegen. Auch hier gilt: Lebensstilbedingte Risikofaktoren können Männer selbst beeinflussen. Andere Ursachen können durch erfahrene Androloginnen und Andrologen sowie Reproduktionsmedizinerinnen und -mediziner behandelt werden.
Alter und genetische Faktoren
Das Alter hat nicht nur einen Einfluss auf die weibliche Fruchtbarkeit, es kann ebenso einen Einfluss auf die Spermienqualität und die Hodenfunktion haben. Auch Chromosomenanomalien können häufiger vorkommen.5
Verminderte Spermienqualität und Spermienproduktion
Veränderungen der Spermienqualität oder -produktion sind eine häufige Ursache, warum eine Frau nicht schwanger wird. Wenn die Samenzellen in ihrer Anzahl (Konzentration oder Gesamtzahl), Beweglichkeit (Motilität) oder Form (Morphologie) eingeschränkt sind, kann dies die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Befruchtung deutlich verringern. Auch Veränderungen im Erbgut der Spermien, etwa eine erhöhte DNA-Fragmentierung, können die Fruchtbarkeit beeinflussen.
Hormonelle Ursachen
Damit im Hoden Spermien gebildet werden können, muss der Körper verschiedene Hormone im richtigen Zusammenspiel produzieren. Besonders wichtig sind dabei:
Wenn der Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht gerät, zum Beispiel durch eine Erkrankung oder bestimmte Medikamente, kann die Spermienbildung gestört sein oder sogar ganz ausbleiben.
Lebensstil
Der Lebensstil hat auch bei Männern Einfluss auf Gesundheit und Fruchtbarkeit. So wirkt sich Rauchen nachweislich negativ auf die Spermienqualität und -quantität aus. Übergewicht kann die Anzahl und Beweglichkeit der Spermien reduzieren.
Organische Ursachen
Verschiedene Erkrankungen, aber auch angeborene Anomalien können die Produktion und Qualität von Spermien beeinträchtigen. Ein nicht frühzeitig behandelter Hodenhochstand kann sich negativ auf die Spermienqualität auswirken. Eine Hodenentzündung, beispielsweise nach einer Mumpserkrankung, kann das Hodengewebe schädigen. Eine Nebenhodenentzündung kann die Samenwege schädigen. Es gibt also viele mögliche Ursachen, warum ein Paar nicht schwanger wird.
Alter und genetische Faktoren
Verminderte Spermienqualität und Spermienproduktion
Hormonelle Ursachen
Lebensstil
Organische Ursachen


Bleibt ein Paar ungewollt kinderlos, ist eine gezielte Diagnostik der erste wichtige Schritt und Ausgangspunkt für eine individuelle Kinderwunschbehandlung. Hierfür können, in Abhängigkeit vom Befund, folgende Verfahren eingesetzt werden:
Untersuchungen bei der Frau
Untersuchungen beim Mann
Untersuchungen bei der Frau
Untersuchungen beim Mann


In spezialisierten Kinderwunschzentren finden Frauen und Paare Hilfe – unabhängig davon, ob die Frage: „Warum werde ich nicht schwanger?“, bereits beantwortet ist. Hier arbeiten Expertinnen und Experten verschiedener medizinischer Fachrichtungen eng zusammen:
Eine vertrauenswürdige Kinderwunschklinik erkennt man an mehreren Merkmalen:
In Deutschland übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen unter bestimmten Voraussetzungen einen Teil der Kosten für eine Kinderwunschbehandlung, sowohl für die Diagnostik als auch für Maßnahmen der assistierten Reproduktion wie IVF oder ICSI. Mehr Informationen findest du auf der Seite „Kosten einer künstlichen Befruchtung“.
Wenn sich trotz regelmäßigem, ungeschütztem Geschlechtsverkehr über einen Zeitraum von zwölf Monaten keine Schwangerschaft einstellt, sollten mögliche Ursachen medizinisch abgeklärt werden – selbst dann, wenn sich beide Partner bester Gesundheit erfreuen und keine offensichtlichen körperlichen Symptome und Beschwerden vorliegen. Nur durch gezielte Untersuchungen lassen sich mögliche Ursachen erkennen und passende Behandlungsmöglichkeiten finden.
Nutzt die offenen amedes Info-Abende, um euch über Behandlungsoptionen bei unerfülltem Kinderwunsch zu informieren, Unsicherheiten abzulegen und Klarheit zu gewinnen, welche Wege ihr gehen könnt. Bitte beachtet, dass sich unsere Info-Abende sowohl an heterosexuelle als auch gleichgeschlechtliche Paare und alleinstehende Frauen richten. Die Expertinnen und Experten von amedes heißen euch herzlich willkommen und freuen sich auf eure Fragen.
1 Wölfler, Monika Martina: “Fertilität – Mythos und Realität”. In: Journal für Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel, 1/2021. https://www.springermedizin.at/fertilitaet-mythos-und-realitaet/18926880#CR3_source_0 (Datum des Zugriffs: 22.05.2025)
2 WHO: „Infertility“, https://www.who.int/health-topics/infertility#tab=tab_1 (Datum des Zugriffs: 22.05.2025)
3 LaDR: “Genetische Ursachen der Infertilität“, https://www.ladr.de/fachgebiete/medizinische-fachgebiete/humangenetik/genetische-ursachen-der-infertilitaet (Datum des Zugriffs: 22.05.2025)
4 Delbaere I, Verbiest S, Tydén T. “Knowledge about the impact of age on fertility: a brief review”. In: Ups J Med Sci. 2020 May;125(2):167-174. doi: 10.1080/03009734.2019.1707913. Epub 2020 Jan 22. PMID: 31964217; PMCID: PMC7721003, https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7721003/ (Datum des Zugriffs: 22.05.2025)
5 Sharma, R., Agarwal, A., Rohra, V.K. et al. “Effects of increased paternal age on sperm quality, reproductive outcome and associated epigenetic risks to offspring”. In: Reprod Biol Endocrinol 13, 35 (2015). https://doi.org/10.1186/s12958-015-0028-x