Adipositas und Abortrisiko
Ein Zusammenhang zwischen der Adipositas einer Frau und einem erhöhten Abortrisiko wird in der assistierten Reproduktion schon länger beschrieben. Da oft aber kein Aneuploidie-Screening der Embryonen erfolgte, bleibt meist unklar, welchen Einfluss alleinig der BMI hat.
Die nachfolgend vorgestellte retrospektive Studie ist interessant, weil sie genau dieses Problem löst. Ausgewertet und mit dem Body mass index (BMI) korreliert wurden ausschließlich Kryozyklen mit einem euploiden Single-Embryo-Transfer ( et al. Obesity is associated with an increased risk of early pregnancy loss after euploid frozen embryo transfer. Fertil. Steril. 2026; Apr 30: Online ahead of print).
Die Unterteilung erfolgte in eine Adipositas- (BMI ≥ 30,0 kg/m2) und eine Nicht-Adipositas-Gruppe (BMI < 30,0 kg/m2). Eingeschlossen wurden 11179 nicht-adipöse und 3811 adipöse Patientinnen.
Stratifiziert nach BMI-Kategorien in Klasse I (BMI 30,0-34,9 kg/m2), II (BMI 35,0-39,9 kg/m2) und III (BMI ≥ 40,0 kg/m2) zeigte sich ein Abortrisiko von 12 %, 22 % bzw. 41 %. Untergewichtige (BMI < 18,0 kg/m2) und übergewichtige Patientinnen (BMI 25,0-29,9 kg/m2) unterschieden sich nicht signifikant von einer normalgewichtigen Gruppe (BMI 18,5-24,9 kg/m2).
Obwohl die Implantationsrate bei einer Adipositas nicht differierte (aRR: 0,98, 95 % CI 0,86-1,37), zeigten adipöse Patientinnen eine signifikant niedrigere klinische Schwangerschafts- (aRR: 0,96, 95 % CI 0,94-0,99) und Lebendgeburtenrate (aRR: 0,92, 95 % CI 0,91-0,94).
Zusammenfassend lag das relative Abortrisiko nach entsprechender Adjustierung in der adipösen Gruppe um 19 % höher (aRR: 1,19, 95 % CI 1,14-1,24). Die Ergebnisse änderten sich auch nach dem Ausschluss adipöser Patientinnen mit einem PMOS (Polyendocrine metabolic ovarian syndrome, früher PCO-Syndrom) nicht.
Die Resultate unterstreichen die notwendige Beratung zum BMI im Kontext einer Kinderwunschbehandlung. Neben dem erhöhten Abortrisiko sollte dazu auch der negative Einfluss einer Adipositas auf andere Parameter im weiteren Schwangerschaftsverlauf motivieren.
Prof. Dr. med. Frank Nawroth